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Hier erfahren Sie Näheres zu unseren vergangenen Konzerte, aber auch zu Ankündigungen und einzelnen Künstlern.

Professionalismus pur: Nirse González & Friederike Wiechert-Schüle

geschrieben am 16. Juni 2019, veröffentlicht in Allgemein, tags: , , , , .

von Hannes Sonntag

Worte in unser aller Mund: Profi, professionell, Professionalismus, von alltagstauglichen Adjektiven wie „profimäßig“ ganz zu schweigen. Sie alle sollen professionell sein: vom Piloten bis zur Friseuse, vom Fliesenleger bis zum Chirurgen.

Was aber bedeutet der Begriff für den konzertierenden Musiker? Natürlich: Beherrschung des instrumentalen Handwerks, Versiertheit im Umgang mit Notentexten, Kenntnis der „musikalischen Sprache“ und vieles mehr. Aber eben auch dies: sich seines Könnens so schlafwandlerisch sicher zu sein, dass zwei Tage reichen, mit einem aus der Ferne angereisten Musizierpartner ein völlig homogenes konzertantes „Duo-Produkt“ zu generieren.

Es ist die hohe Kunst des sogenannten Einspringens – wie geschehen in der Pfingstmatinée 2019. Die Profis des Tages: der Gitarrist Nirse González und die Flötistin Friederike Wiechert-Schüle. Beide sind hochkarätige Solisten, beide aber auch Kammermusik-affin bis in die Fingerspitze (die ja ohnehin von „tragender Bedeutung“ beim Instrumentalspiel ist).

Da ist partnerschaftliches Vorausahnen bereits Handlungsanweisung für die nächste Zehntelsekunde, ein Atemzug von nebenan das Eröffnen eines neuen Klangraums – und wenn die Musik jene emotionale Verführungsqualität besitzt wie im Falle des dargebotenen spanisch-lateinamerikanischen Programms, sind farbiges musikalisches Leben und spontane Freude garantiert.

Der prallvolle Fürstensaal und die Veranstalter dankten es den beiden Interpreten mit begeistertem Beifall im ersten und – zugegeben – einem sehr erleichterten Handschlag im anderen Falle.

Klavierspiel, wie man es selten hört – Aghakaryan übertrifft sich selbst

geschrieben am 3. April 2019, veröffentlicht in Allgemein, tags: , , , , , , , .

von Hannes Sonntag

Würde sie dasselbe Programm am folgenden Tag noch einmal an einem anderen Ort gespielt haben – man wäre sofort hingereist, um es ein weiteres Mal zu hören.

Was die junge armenische Pianistin am letzten Märztag 2019 im Fürstensaal von Schloss Schieder bot, verdient in den Annalen dieser Konzertreihe einen roten Stern. Man fragt sich, wo hier die Parallelen liegen, wo Vergleichbares zu finden wäre? Vielleicht die junge Clara Haskil – aber das entzieht sich – leider – jeder Nachprüfbarkeit. Hat man indes die ganz Jungen im Ohr, wird sich eine solche Mischung von stupender Virtuosität und intimer Magie schwer finden lassen. Die Aura dieser Künstlerin (denn sie ist viel mehr als nur eine Pianistin) nimmt von Anfang an jeden einzelnen Hörer mit – und das ohne den geringsten körperlichen Affekt, der nicht unmittelbar der Musik selbst gelten würde.

Hripsime Aghakaryan, die großartig auch Haydn, Rachmaninov und Liszt spielte, steht bei Ravels ‚Miroirs‘ auf dem ungeteilten Höhepunkt ihrer Kunst. Die gewissermaßen introspektiv kalte Trauer der ‚Oiseaux tristes‘, die balancierte Ungleichzeitigkeit der diversen Glocken in ‚La Vallée des cloches‘ wirken in ihrer Interpretation als poetische Äußerungen von stiller, absoluter Wahrheit.
Der narkotische Klangrausch von ‚Une barque sur l’Océan‘ behält eine anrührende Schlankheit, etwas Fluides, im allerbesten Sinne Französisches, ganz nah an den Gemälde-Suggestionen eines Monet. Eine seltsame Sehnsucht erwacht, die umso echter wirkt als dass sie in nichts hier und heute Erlebtem entspricht. Und wenn Hripsime Aghakaryan sich gemeinsam mit dem Komponisten die trocken-spanische Maske aufsetzt, verwandelt sich das bloß Koloristische in die nackt existentielle, aber artistisch verbrämte Not eines Hofnarren zu alter spanischer Zeit.

Ich gestehe gern, dass diese Version der ‚Miroirs‘ die eindrücklichste ist, die mir bisher zu hören vergönnt war. Man spricht von ‚Chopinisten‘, in Russland gar von ‚Skrjabinisten‘ – um Hripsime Aghakaryans willen sollte vielleicht der Titel einer ‚Ravelistin‘ erfunden werden.

Suggestion der leisen Töne

geschrieben am 30. November 2018, veröffentlicht in Allgemein, tags: , , , , .

von Hannes Sonntag

Ja, so oder ähnlich muss es geklungen haben im Umkreis der Schubert, Schumann, Mendelssohn und Brahms – in den Ohren und für die Ohren jener Freunde, Kollegen, Förderer und Bewunderer, die in seelenverwandter Nähe um die Gestalten der großen Meister kreisten. Ihnen allen ging es um das Verstehen, das Erfühlen von Musik, die natürlich und direkt zu ihnen sprach. Um emotionalen Austausch. Und es waren auch Gemeinschaft und Freundschaft mit im Spiel.

Das Klavierspiel Natalia Ehwalds entführt in die Welt jener Zirkel, denen Kultur nicht Lippenbekenntnis, sondern ureigenste Lebensform war. Dieses Spiel ist so bemerkenswert uneitel, zielt nicht auf Verallgemeinerung und Verwertbarkeit, lässt sich auf keinerlei Effekte ein, schlägt nirgendwo virtuosen Schaum. Man versteht auf einmal die gewissermaßen moralische Empörung Clara Schumanns angesichts des oftmals selbstdarstellerischen Gehabes eines Liszt und seines Jünger-Kreises. Was nicht etwa die Abwesenheit oder Ablehnung von Brillanz bedeutet, wohl aber die absolute Unterordnung des Technisch-Materiellen unter das sanfte Diktat des Geistigen – und gleichzeitig einen Fokus auf den vielfältig abgestuften Klang, die zwei- und dreifachen pianissimi, auf das innere Singen und die stille Betroffenheit angesichts des in Worten nicht Fassbaren.

Natalia Ehwald spielt Klavier wie man es heute nur ganz selten (vielleicht aber auch allmählich wieder) hört. Gott Dank sind die Welten der Klaviermusik jedoch so überbordend voll wunderbarer und gänzlich unterschiedlicher Literatur, dass in vielen unterschiedlichen pianistischen „Tempeln gebetet“ werden und das artistische Hochseil in friedlicher Koexistenz neben der Innerlichkeit des romantischen Bekenntisses existieren kann.

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Wunderbar leicht – Charlotte Hahn und ihre Marimba-Künste

geschrieben am 26. Mai 2018, veröffentlicht in Allgemein, tags: , , , .

von Hannes Sonntag

Wer sagt denn, dass klassische Musik stets finster zu sein habe, mit Sorgenfalten, Seelenfurchen und Herzenspein? Schon immer haben Komponisten auch um die wunderbare Leichtigkeit des Seins gewusst: gern der große Bach als Suiten-Meister, Joseph Haydn mit aufgeklärter Heiterkeit in so vielen seiner Symphonien – von der Wiener Strauß-Dynastie und Mozarts „Entführung aus dem Serail“ gar nicht zu reden.

Charlotte Hahn, jung, brillant und sympathisch, war eine fesselnde Botin dieses musikalischen Segments. Gerade weil kontrastierend zuweilen auch melancholische Akzente wahrzunehmen waren, bestätigte sich der intensive Eindruck von Spielfreude, blitzender Musikalität und atemberaubender Reaktionsfähigkeit.

„Als ob ich selbst zum Klangkörper würde“ brachte es eine enthusiastische Hörerin nach dem Konzert auf den Punkt. Warum auch sollte ein klassisches Konzert nicht pure Freude schenken können – wie ein Glas Champagner oder der strahlende Frühlingstag, in den das Publikum nach zwei Zugaben hinausströmte.

 

Zwei expressive Solisten – Kopf & Bönniger

geschrieben am 13. Februar 2018, veröffentlicht in Allgemein, tags: , , , , , , .

von Hannes Sonntag

Finster wirkten sie, ganz in sich selbst versunken und doch zu allen Schandtaten bereit. Der Sprecher Markus Kopf und der Schlagzeuger Ben Bönniger vereinten sich zu einem Cross over-Duo, wie es die Schlosskonzerte so bislang noch nicht erlebt hatten.

Beide sind Virtuosen ihres Fachs, bleiben einander nichts schuldig – ihre Bühnenpräsenz ist zwingend und ihre Ausdruckskraft nicht weniger gewaltig als feinsinnig. So gelang im leicht abgedunkelten Fürstensaal eine rundum überzeugende, gewissermaßen neu kreierte Kunstform. Die Meistererzählungen von Akutagawa (Im Dickicht) und Edgar Allan Poe (Das verräterische Herz) steigerten sich zu einer Art Gesamtkunstwerk, dem das abweichend im Halbkreis platzierte Auditorium gebannt lauschte.

Markus Kopf präsentierte sich dabei nicht nur als suggestiver Leser, sondern ließ auch alle Facetten seines schauspielerischen Könnens aufblitzen: die Gestalt des scheinbar coolen Wahnsinnigen, die personifizierte Schizophrenie befand sich mitten im Raum.
Ben Bönniger fand grandiose schlagzeugerische Entsprechungen – viel, viel mehr als Klangkulisse oder Komparserie. Hier wurde das musikalische Szenario gleichberechtigtes Ego zweier genialer literarischer Vorlagen.

Dem tief beeindruckenden Duo ist mehr als zu wünschen, dass seine Programmatik mit dem sinnfälligen Namen LiteraTon Schule macht – in den Ohren und Augen eines Publikums, dessen äußerst gespannte Konzentration sich nach den letzten Worten und einem Herzschlag Schweigen begeistert Luft macht: in echter, unverhohlener Freude.